powered by stimme.de Ein Angebot von
stimme.de
Fußball in Baden-Württemberg
Donnerstag, 21. Juni 2012

Schlüsselposition Torhüter

Von Marc Schmerbeck

Fussball - Spielnahes Training ist eines der Lieblingsworte von Nico Kiesel. Der 18-Jährige hat die Trainer-C-Lizenz und ist auch lizensierter Torwarttrainer


 

Schlüsselposition Torhüter

Trainer Nico Kiesel (links) und die Teilnehmer beim Torspieler-Tag in Gommersdorf. Von zehn bis 14 Uhr drehte es sich ums Bällefangen.Foto: privat 

. "Oft wird nur der Ball in den Winkel geworfen und der Torspieler muss ihn fangen", sagt Kiesel. Und damit benutzt er auch schon ein zweites Lieblingswort: Torspieler.

Im offiziellen Sprachgebrauch wird es immer häufiger gebraucht und soll die Begriffe Torhüter oder Torwart ablösen. Es soll die veränderte Rolle des Schlussmanns im modernen Fußball beschreiben. Der Keeper wird immer mehr zu einem Feldspieler. Seine Spieleinleitungen werden zu wichtigen Pässen. "Es geht nicht mehr nur ums Ballfangen", sagt Kiesel, "ein Torspieler muss auch den Ball mal halbhoch stoppen können und einen guten Pass von hinten heraus spielen. Das kommt mittlerweile fast häufiger vor, als dass der Torwart den Ball halten muss. Die Spieleinleitung ist das A und O."

Praxisnah

In Gommersdorf hatte er am Sonntag zum Torspieler-Tag geladen. 14 Torhüter im D- und C-Jugendalter waren dem Angebot gefolgt. "Da waren es vor allem die Basics, die wir trainiert haben", sagt der Trainer am DFB-Stützpunkt in Schrozberg. Und zwar ebenso anschaulich wie praxisnah. So ist beim Hechten in eine Ecke auch die richtige Schrittfolge wichtig. Sie kann Zeit sparen und dabei helfen, den Winkel zu verkürzen. "Der Torspieler wird immer mehr zur Schlüsselposition", sagt Kiesel. "Vielleicht haben auch deshalb viele Angst davor, sich ins Tor zu stellen." Denn viele Vereine sind auf der Suche nach guten Torhütern. Und das obwohl es daran im deutschen Spitzenfußball nie mangelte.

"Oft ist es halt so, dass die Torhüter bei einem Fehler angemeckert werden", sagt Kiesel. Er fände es sinnvoller, wenn konstruktive Kritik geübt wird - auch von den Trainern. "Sicher muss man auf Fehler aufmerksam machen. Aber sachlich", sagt Kiesel. Für ebenso wichtig hält er geschulte Trainer, die genaue Anleitungen geben können. Gerade ab der D-Jugend sollte mit spezialisiertem Training begonnen werden. Und dafür reicht es nicht, einfach nur einige Bälle an der Strafraumgrenze hinzulegen und aufs Tor zu schießen. Praxisnahe Übungen sind wichtig. Übungen, die Spielsituationen simulieren. Schließlich kommt es in einer Partie selten vor, dass ein ruhender Ball von der Sechzehnmeterlinie aufs Tor geschossen wird.

Spielsituationen

So werden bei Kiesel eben kleine Hütchen zu fiktiven Gegenspielern, vor denen der Torhüter an den Ball kommen sollte - und zwar indem er vorher die richtigen Schritte macht. "Ich hoffe, dass einige Teilnehmer einige Übungen mit ins Training einbringen können", sagt Kiesel.

Selbst spielt er derzeit nicht mehr aktiv. "Das geht von der Zeit her nicht", sagt Kiesel. "Ich brauche es im Moment aber auch nicht. Das mit der Trainerkarriere klappt derzeit ganz gut."