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Fußball in Baden-Württemberg
Mittwoch, 20. Juni 2012

Giuliani geht mit großem Glücksgefühl

schwaebische.de


LEUTKIRCH / sz - Wenn 13 Tore fallen, in einem Spiel wohlgemerkt, reichen ein Notizblock und ein Kugelschreiber für gewöhnlich nicht aus. Bis Entstehung und Ausführung aller Treffer plus Torschützen plus Spielminuten plus besondere Vorkommnisse, positiver oder negativer Couleur, plus persönliche Eindrücke zu Papier gebracht sind – Mannomann.

Nun, 13 „Kisten“ oder „Buden“ zählen in Pflichtspielen mittlerweile zu den Raritäten. Sogar Mannschaften von ziemlich weit unten können heutzutage ganz passabel kicken. Um endlich auf den Punkt zu kommen: Im Neuen Stadion am Öschweg zu Leutkirch stand die Pflicht eindeutig im Abseits. Als Jubiläumsgast („100 Jahre Fußball in Leutkirch“) fühlte sich der TSV 1860 München vielmehr verpflichtet, eine Kür mit „Schmackes“ abzuliefern.

Die „Löwen“, aus ihrem einwöchigen Trainingslager in Oberstaufen angereist, waren jeden Cent ihrer Gage wert, verwöhnten die rund 1100 Zuschauer (983 zahlende) mit zum Teil herrlich herausgespielten Toren und einigen Kabinettstückchen zum mit der Zunge schnalzen beim 13:0 (6:0)-Erfolg über den wackeren A-Ligisten des FC Leutkirch, der die Rolle des „Sparringpartners“ durchaus mit Leben zu erfüllen vermochte.

Fazit von Rainer Maurer, der insgesamt 17 Profis einsetzte, darunter mit dem offensiven Mittelfeldspieler Marin Tomasov vom achtmaligen kroatischen Meister Hajduk Split auch den neuesten Neuzugang: „Ich denke, wir haben den Leutkirchern und unseren Fans ein schönes Fußballfest geboten.“ Und damit lag der Chefcoach der „Sechziger“ genauso richtig wie Markus Giuliani in seinem letzten Spiel als Trainer des FC Leutkirch, der wie berichtet in der neuen Saison die A-Junioren des FC Wangen verantwortlich betreuen wird: „Das war einfach nur geil, für mich ein unvergesslicher Tag. Vor allem haben meine Jungs doch ganz passabel mitgespielt, besonders in der ersten halben Stunde, als wir noch Luft hatten.“ Wohl wahr, und wohl selten hat sich ein Trainer derart über ein Abschiedsgeschenk in Form einer 0:13-Niederlage gefreut. Na, ja, Blumen gab’s für den FCL-Coach a. D. schon auch noch.

Um noch einmal auf den Beginn dieses Geschichtleins zurückzukommen: Gemütliches Zurücklehnen – an diesem Abend sogar ohne Lehne machbar – und Genießen waren angesagt, fast ohne lästigen Notizblick, ganz ohne Stress und Schweißausbrüche, weil wieder mal die Entstehungsgeschichte zu einem Treffer komplett verschlafen wurde vom Sportreporter. Zwischendurch durfte sich gedanklich vor Vergnügen auf die Schenkel geklopft werden, als die Ehemaligen der ehemaligen Leutkircher Fußball-Größen und -Funktionäre mit „d’r Bierfläsch“ in der Hand das Geschehen auf dem Platz mit würzigen Kommentaren bereicherten („der Fußball in Leutkirch lebt ja doch noch“/„Hoffentlich bringet 13 Tore den Sechzgern kein Unglück“). Und völllig losgelöst vom Krawattenzwang verbrachte auch Leutkirchs OB Hans-Jörg Henle einen sichtlich kurzweiligen Abend: „Das hat wirklich Spaß gemacht.“

Den hatten die Zuschauer am Öschweg wohl ebenso mit Stadionsprecher, Hobby-Musiker, „Löwen“-Fan und FCL-A-Junioren-Coach in spe, Daniel Barth, der sich der Sympathien des ohnehin gut gelaunten Fußball-Publikums endgültig gewiss sein konnte, als er zum Abschluss verkündete: „Hier noch einmal das Endergebnis: Der TSV 1860 München schlägt den FC Leutkirch etwas überraschend mit 0:13.“ Applaus!

FC Leutkirch - TSV 1860 München 0:13 (0:6). Tore für die „Löwen“: Benjamin Lauth/Kapitän, Markus Zierer (jeweils 3), Marin Tomasov, Sebastian Maier (jeweils 2), Dominik Stahl, Daniel Jais plus 1 Eigentor. SR: Manuel Bergmann (Ulm). Zuschauer: 1100.